Prolaktin (PRL)

SI-EINHEITEN

KONVENTIONELLE EINHEITEN



Synonym
laktotropes Hormon (LTH), Lactotropin, Laktotropin
Einheiten im Messwesen
μIU/mL, mIU/L, μg/L, ng/mL, ng/dL, ng/100mL, ng%

Humanes Prolaktin ist ein Polypeptid- Hormon der vorderen Hypophyse mit einem Molekulargewicht von ca. 22 800. Die Freisetzung wird vom Hypothalamus in erster Linie durch Prolactin inhibiting factor (Dopamin) und Prolactin releasing factor (Serotonin) gesteuert. Thyrotropin releasing hormone (TRH), das ebenfalls die PRL-Sekretion stimuliert, wird als Provokationstest zur Beurteilung der PRL-Reserve und der anomalen PRL-Sekretion der Hypophyse eingesetzt.

Prolaktin tritt in 3 unterschiedlichen Formen im Serum auf. Die monomere biologisch und immunologisch aktive Form (“little”) überwiegt mit ca. 80 %, die dimere Form (“big”) ist biologisch inaktiv und kommt zu 5‐20 % vor, die tetramere Form (“big‐big”) mit niedriger biologischer Aktivität findet sich zu 0.5‐5 % im Serum.

Zielorgan für Prolaktin ist die Milchdrüse der Brust, deren Entwicklung und Differenzierung es fördert. Hohe Konzentrationen von Prolaktin haben eine hemmende Wirkung auf die Steroidgenese der Ovarien sowie die hypophysäre Gonadotropinproduktion und -sekretion.

Als Referenzwertebereich für zirkulierendes Prolaktin werden in der Literatur Konzentrationen bis annähernd 20 ng/ml vorgeschlagen. Die Konzentrationswerte sind zum Geburtszeitpunkt deutlich erhöht, erniedrigen sich aber auf normale Erwachsenenwerte in weniger als 3 Monate.

Für Frauen werden geringfügig höhere Durchschnittswerte angegeben als für Männer. Mit einem leichten Anstieg während der Pubertät und ein entsprechender Abfall nach der Menopause. Während der Schwangerschaft steigen die Prolaktinwerte beständig bis zum 10- oder 20-fachen der Ausgangswerte an. Nach der Geburt fallen die Werte für nicht stillende Mütter innerhalb 3 Wochen auf ein normales Niveau. Bei stillenden Müttern ist der Rückgang auf normale Werte verzögert, da das Saugen des Kindes zu einem schnellen und dramatischen Anstieg der Prolaktinfreisetzung führt. Frauen die Kontrazeptiva einnehmen bzw. unter Östrogenbehandlung stehen, weisen erhöhte Prolaktinspiegel auf. In der Beurteilung geringfügiger Konzentrationsanstiege sollte immer berücksichtigt werden, daß Prolaktin ein Streßhormon ist.

Nicht allein das Stillen sondern auch geringfügige Eingriffe wie Blutentnahme oder eine Anamnesebefragung, sind als Ursache für kurzfristige Konzentrationserhöhungen registriert worden. Überdies ist die Freisetzung von Prolaktin von Natur aus episodisch.

Die biologische Halbwertzeit für PRL beträgt 20-50 Minuten. Während des Menstruationszyklus verhalten sich die Serum-PRL-Spiegel variabel und sind zur Zyklusmitte in der Regel leicht erhöht. Normale Personen reagieren gewöhnlich mit einem Anstieg des Prolaktinspiegels auf physiologische Stimuli wie Schlaf, Bewegung, Stimulierung der Brustwarze, Geschlechtsverkehr, Hypoglykämie, Schwangerschaft und chirurgische Eingriffe.

Tag zu Tag Fluktuationen mit Variationskoeffizienten höher als 30 % sind beobachtet worden. Schließlich gibt es schlafabhängige tägliche Variationen: Die Prolaktinkonzentrationen steigen während des Schlafes und erreichen Ihre niedrigsten Werte wenige Stunden nach dem Aufwachen. Die Empfehlung Proben zwischen 9,00 und 12,00 Uhr zu entnehmen, beruht auf der Annahme „normaler“ Aufwachzeiten.

Bei normalen Personen ist eine Hypoprolaktinämie selten.

Hyperprolaktinämie (bei Männern und Frauen) ist die Hauptursache für Fertilitätsstörungen. Die Bestimmung von Prolaktin dient zur Diagnostik von anovulatorischen Zyklen, hyperprolactinämischer Amenorrhoe und Galaktorrhoe, Gynäkomastie und Azoospermie.

Zu den pathologischen Ursachen einer Hyperprolaktinämie zählen: Hypophysenadenome (Prolaktinome), funktionelle oder organische Krankheiten des Hypothalamus, Hypothyreose, Nierenversagen und ektopische Tumoren. Bei primärer Hypothyreose werden in einigen Fällen erhöhte PRL-Spiegel beobachtet, die durch eine erhöhte TRH-Sekretion (PRL-Stimulierung) bedingt und von erniedrigten T4- und erhöhten TSH-Konzentrationen im Serum begleitet sind. Eine Hyperprolaktinämie wurde auch mit einer Hemmung der ovarialen Steroidgenese, der Follikelreife sowie der LH- und FSH-Sekretion in Verbindung gebracht.

Es hat sich herausgestellt, dass verschiedene Medikamente entweder einen Anstieg oder ein Absinken der PRL-Spiegel bewirken können. Die PRL-Sekretion wird durch die Gabe von L-Dopa gehemmt. Bromocriptin hemmt die PRL-Sekretion und ist in der Behandlung von Hyperprolaktinämie-verursachter Amenorrhoe und Galaktorrhoe eingesetzt worden. Die Gabe von psychotropen Pharmaka (Phenothiazin-Derivate), Antihypertonika (Reserpin) und TRH wirken stimulierend auf die PRL-Sekretion. Die Behandlung mit Östrogenen bewirkt ebenfalls einen Anstieg der PRL-Spiegel im Serum.

REFERENZINTERVALL

Der ElektroChemiLumineszenz ImmunoAssay “ECLIA“

 

Männer

86-324 μIU/mL

4.04-15.2 ng/mL

Frauen (nicht schwanger)

102-496 μIU/mL

4.79-23.3 ng/mL

Laborwerte rechner. Einheitenumrechner SI-konventionell / konventionell-SI.
Umrechnung Prolaktin (PRL) von / in μIU/mL, mIU/L, μg/L, ng/mL, ng/dL, ng/100mL, ng%. Faktoren zur umrechnung von konventionellen Einheiten in SI-Einheiten. Prolaktin (PRL) umrechnungstabellen.