Glucose

SI-EINHEITEN

KONVENTIONELLE EINHEITEN



Synonym
Glukose, Blutzucker, Nüchternblutzucker, Blutglukose,
Einheiten im Messwesen
mmol/L, µmol/L, mg/dL, mg/100mL, mg%, mg/L, µg/mL

Glucose ist das wichtigste Kohlenhydrat im peripheren Blut. Die Oxidation von Glucose stellt die Hauptenergiequelle für Körperzellen dar. Die dem Körper als Ernährung zugeführte Glucose wird zur Speicherung in der Leber in Glykogen und zur Speicherung im Fettgewebe in Fettsäuren umgewandelt. Die Blutglucosekonzentration wird durch zahlreiche Hormone in engen Grenzen gehalten. Die wichtigsten dieser Hormone werden von der Bauchspeicheldrüse produziert.

Die schnelle und präzise Art, mit der der Blutzuckerspiegel im nüchternen Zustand reguliert wird, steht in scharfem Kontrast zum rapiden Blutzuckeranstieg bei der Aufnahme von Kohlenhydraten mit der Nahrung. Fällt der Glukosespiegel im Blut unter ein bestimmtes Niveau ab (ca. 2,5 mM), so führt dies zu Funktionsstörungen des zentralen Nervensystems. Dies manifestiert sich in den hypoglykämischen Symptomen Muskelschwäche, Koordinationsmangel und Bewusstseinsstörungen. Weitere Verminderung des Blutzuckers führt zu hypoglykämischem Schock. Der Blutzuckerspiegel variiert beim Einzelnen in Abhängigkeit von Muskelaktivität und seit der letzten Nahrungsaufnahme verstrichener Zeit. Solche Schwankungen im Blutzuckerspiegel verstärken sich weiter im Falle von Regulierungsstörungen wie etwa bei pathologisch erhöhtem Blutzucker (Hyperglykämie) oder vermindertem Blutzucker (Hypoglykämie).

Die häufigste Ursache für Hyperglykämie ist Diabetes mellitus, der auf eine mangelnde Insulinsekretion oder -wirkung zurückzuführen ist. Dabei steigt der Blutzuckergehalt soweit an, dass er die Nierenschwelle überschreitet und im Harn ausgeschieden wird (Glukosurie). Darüber hinaus tragen eine Reihe sekundärer Faktoren zur Erhöhung des Blutglucosespiegels bei. Zu diesen gehören Pankreatitis, Schilddrüsenfunktionsstörungen, Nierenversagen und Lebererkrankungen.

Seltener wird Hypoglykämie beobachtet. Ein erniedrigter Blutglucosespiegel kann verschiedene Ursachen haben, z.B. Insulinom, Hypopituitarismus oder insulininduzierte Hypoglykämie. Hypoglykämie tritt unter anderem in Verbindung mit Atemnotsyndrom bei Neugeborenen, Schwangerschaftstoxikose, erblich bedingtem Enzymdefekt, Reye-Syndrom, Alkoholaufnahme, Leberfunktionsstörung, insulinproduzierenden Pankreastumoren (Insulinomen), Insulinantikörpern, nicht-pankreatischen Neoplasmen, Sepsis und chronischem Nierenversagen auf.

Blutzuckermessungen werden zur Überprüfung von Diabetes mellitus benutzt, bei Verdacht auf Hyperglykämie, zur Behandlungskontrolle bei Diabetes mellitus, zur Beurteilung des Kohlenstoffmetabolismus etwa bei Schwangerschaftsdiabetes, akuter Hepatitis, akuter Pankreatitis und Addison-Krankheit.

Die Glucosemessung im Urin wird beim Diabetes-Screening verwendet und dient zur Beurteilung der Glukosurie, zur Feststellung von Nierentubulistörungen und zur Festlegung der Insulintherapie.

Die Glucosebestimmung im Liquor dient zur Bewertung von Meningitis, einer neoplastischen Meningesbeteiligung und von anderen neurologischen Störungen. Glukose in der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit kann bei Patienten mit akuter bakterieller, Kryptokokken-, tubulärer oder karzinomatöser Meningitis sowie bei Zerebralabszessen wahrscheinlich aufgrund des Glukoseverbrauchs durch Leukozyten oder durch andere schnell metabolisierende Zellen niedrig bzw. nicht nachweisbar sein. Bei viraler Meningitis oder Enzephalitis ist der Glukosegehalt in der Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit meist normal.

REFERENZINTERVALL

Serum/Plasma (nüchtern)

Erwachsene

4.11‐5.89 mmol/L

74‐106 mg/dL

60‑90 Jahre

4.56‐6.38 mmol/L

82‐115 mg/dL

> 90 Jahre

4.16‐6.72 mmol/L

75‐121 mg/dL

Kinder 

3.33‐5.55 mmol/L

60‐100 mg/dL

Neugeborene (1 Tag)

2.22‐3.33 mmol/L

40‐60 mg/dL

Neugeborene (> 1 Tag)

2.78‐4.44 mmol/L

50‐80 mg/dL

Die allgemein anerkannten Cutoff-Werte für die Diagnose von Diabetes sind:

  • Zufallsplasmaglukose:                       ≥ 11,1 mmol/L
  • Plasmaglukose nüchtern:                  ≥ 7,0 mmol/L oder
  • 2 Std. nach Belastung mit Glukose: ≥ 11,1 mmol/L bei oralem Glukose-Toleranztest (oGTT).

Wenn eines der obigen Kriterien zutrifft, sind die Werte durch Testwiederholung an einem Folgetag zu bestätigen, es sei denn, es handelt sich um eindeutige Hyperglykämie mit akuter Stoffwechsel-Dekompensation.

Vollblut

Erwachsene

3.6‐5.3 mmol/L

65‐95 mg/dL

 Die Differenz zwischen Plasma- und Vollblutglucosespiegel kann vom Hämatokritspiegel beeinflusst werden, da Erythrozyten einen niedrigeren Glucosegehalt als das Plasma aufweisen. Bei einem höheren Hämatokritspiegel ist der Plasmaglucosespiegel im Vergleich zum Vollblut erhöht.

Urin

Morgenurin

0.30‐1.10 mmol/L

6‐20 mg/dL

Randomisiert

0.06‐0.83 mmol/L

1‐15 mg/dL

24‑h-Urin

< 2.78 mmol/24 h

< 0.5 g/24 h

Liquor

Kinder

3.33‐4.44 mmol/L

60‐80 mg/dL

Erwachsene

2.22‐3.89 mmol/L

40‐70 mg/dL

Der Liquorglucosewert sollte ca. 60 % des Plasmawertes betragen und ist für eine adäquate klinische Auswertung stets mit dem gleichzeitig gemessenen Plasmawert zu vergleichen.

Laborwerte rechner. Einheitenumrechner SI-konventionell / konventionell-SI.
Umrechnung Glucose von / in mmol/L, µmol/L, mg/dL, mg/100mL, mg%, mg/L, µg/mL. Faktoren zur umrechnung von konventionellen Einheiten in SI-Einheiten. Glucose umrechnungstabellen.