Erythropoietin (EPO)

SI-EINHEITEN

KONVENTIONELLE EINHEITEN



Synonym
Erythropoietin, Epoetin, EPO, Hämatopoetin
Einheiten im Messwesen
mIU/mL, IU/L

Das Erythropoietin (EPO) ist ein mit komplexen Kohlenhydratketten glykosyliertes Protein mit 165 Aminosäuren. Es hat ein Molekulargewicht von 36 kDa mit einen Kohlenhydratanteil von 40%. Das EPO ist ein wichtiger Faktor in der Proliferation und Differenzierung der Erythrozytenvorläuferzellen im Knochenmark. Bei Säugetieren wird der Grossteil des fetalen EPO in der Leber produziert, während bei Erwachsenen 90% der Synthese in der Niere erfolgt. In der Leber wird dann noch etwa 10% produziert. Der EPO Abbau ist noch nicht vollständig geklärt. Ein kleiner Teil wird über den Urin ausgeschieden, weiterhin erfolgt der Abbau wahrscheinlich in der Leber und über die Aufnahmen in die Zielzellen im Knochenmark.

Das EPO reguliert abhängig vom Sauerstoffbedarf des Gewebes die Synthese der roten Blutzellen. Die Regulation erfolgt über einen komplexen Feedbackmechanismus, bei dem über einen Sauerstoffsensor der Niere der Sauerstoffpartialdruck im Blut die Sekretion des Hormons steuert. Eine erhöhte Sauerstoffkonzentration führt zu einer Erniedrigung der EPO- Konzentration. Diese Beobachtung wird bei der erfolgreichen Therapie der Hypoxie Gesunder (nach vorheriger starker Erhöhung der EPO-Spiegel) und Hypertransfusion gemacht.

Anhand der EPO-Spiegel im Blut werden die Anämien in zwei Gruppen unterteilt. in primäre und sekundäre. Bei primären Anämien kommt es zu einem Anstieg der EPO-Konzentration, um die Synthese roter Blutzellen sicherzustellen. Beispiele für Anämien bei denen erhöhte EPO- Spiegel gefunden werden sind: Eisenmangelanämien, erniedrigte Blutzirkulation der Leber (nach Blutverlust) und Hämoglobinpathologien mit einer erhöhten Sauerstoffbindungskapazität des Hämoglobins. Bei Anämien nicht renalen Ursprungs steigt anscheinend die EPO- Synthese proportional zu Abnahme der Sauerstoffkonzentration und dem abfallenden Hämatokrit. In diesen Fällen wurden bis zu 1 000fach erhöhte Werte gefunden

Sekundäre Anämien werden in Zusammenhang mit Entzündungen, rheumatoider Arthritis, Neoplasien und chronischen Nierenerkrankung beobachtet. Verantwortlich für diese sekundären Anämien ist unter anderem eine zu geringe EPO-Synthese.

Die Schwierigkeit, genügend EPO zu synthetisieren, führt zu verschieden stark ausgeprägten Anämien. Schwere Anämien werden bei Nierenerkrankungen im Endstadium beobachtet. Eine Ursache für die erniedrigte Syntheserate ist die Zerstörung des Gewebes in dem das EPO gebildet wird. Allerdings kann auch der Sauerstoffsensor beeinflusst sein. EPO- Spiegel im unteren Referenzbereich sind nicht ausreichend, um den Blutverlust während der Dialyse zu ersetzten. Die Folgen für die Patienten sind unter anderem: verkürzte Lebenszeit der roten Blutzellen, Eisen- und Folsäuremangel und ein verschlechterter Eisentransport zu der Erythrozytenvorläuferzellen. Besonders Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion zeigen erniedrigte EPO- Spiegel. Dennoch zeigen einige Patienten mit chronischem Nierenversagen normale Hämatokritwerte oder weniger schwerwiegende Anämien und erhöhte EPO-Spiegel. Einige dieser Patienten haben zystische Nieren oder eine virale Hepatitis. Die Ursache der erhöhten EPO- Spiegel bei der zuletzt genannten Patientengruppe ist die gesteigerte Produktion in der Leber.

Die pathologisch erhöhte Synthese roter Blutzellen wird als Polycythaemie bezeichnet. Sie wird in Bezug auf die EPO-Spiegel in zwei Gruppen (primäre und sekundäre) unterteilt. Bei der Polycythaemia vera erfolgt die Erythropoese unabhängig vom EPO. Es werden erniedrigte EPO-Konzentrationen bestimmt.

Bei Patienten mit gleichem Hämatokritwert kann der EPO-Spiegel um einen Faktor zehn variieren. Auch bei anderen Erkrankungen kann die Feedback- Regulation der EPO-Konzentration durch die Sauerstoffmenge verloren gehen, was zu einem erhöhten EPO-Spiegel führt. Dazu zählen Nierenzellkarzinome, bei welchen 2% der Patienten eine Erythrozytose zeigen, einige benigne Nierenerkrankungen wie Zysten, Stenosen der Nierenarterien und mikrovaskuläre Abnormalitäten. Zusätzlich zeigen ungefähr 10% der Patienten einer Nierentransplantation eine Erythrozytose.

Die sekundäre Polycythaemie ist durch einen erhöhten EPO-Spiegel sowie eine erhöhte Menge an roten Blutzellen gekennzeichnet. Die Ursache können folgende Faktoren sein: defektes Hämoglobin, Lungenfibrose, kardiale Erkrankungen, Tumore und Nierensteine

Bei der Bestimmung der EPO- Konzentration zur Differentialdiagnose der Polycythaemie muss die Überschneidung der Werte für die Erythrozytose oder für die Polycythaemia vera mit dem Referenzbereich beachtet werden.

Laborwerte rechner. Einheitenumrechner SI-konventionell / konventionell-SI.
Umrechnung Erythropoietin (EPO) von / in mIU/mL, IU/L. Faktoren zur umrechnung von konventionellen Einheiten in SI-Einheiten. Erythropoietin (EPO) umrechnungstabellen.