Anti‐Müller-Hormon (AMH)

SI-EINHEITEN

KONVENTIONELLE EINHEITEN



Einheiten im Messwesen
pmol/L, ng/mL, ng/dL, ng/100mL, ng%, ng/L, pg/mL

Die Bestimmung von AMH dient zur Beurteilung der ovariellen Reserve und zur Vorhersage der Reaktion auf eine kontrollierte ovarielle Stimulation (COS) in Verbindung mit anderen klinischen Befunden und Laboruntersuchungen.

Das Anti‐Müller-Hormon ist ein homodimeres Glykoprotein, welches zur transformierenden Wachstumsfaktor-β (TGF-β)-Familie gehört. Alle Mitglieder dieser Superfamilie sind an der Regulation von Gewebewachstum und ‐differenzierung beteiligt. Bevor das Hormon sezerniert wird, findet eine Glykosylierung und Dimerisierung statt, wodurch ein ca. 140 kDa-Vorläuferhormon gebildet wird, das aus zwei identischen durch Disulfidbrücken verbundenen 70 kDa-Untereinheiten besteht. Jedes Monomer besitzt eine große N‐terminale Proregion und eine deutlich kleinere C‐terminale mature Domäne. Man geht davon aus, dass AMH, im Gegensatz zu anderen Mitgliedern der TGF‐β-Familie, die N‐terminale Domäne benötigt, um die Aktivität der C‐terminalen Domäne zur Erreichung der vollen Bioaktivität zu verstärken.

Ein Teil von AMH wird anschließend an einer spezifischen Stelle zwischen Proregion und maturer Region während der zytoplasmatischen Passage gespalten, um biologisch aktive N‐terminale 110 kDa‐ und C‐terminale 25 kDa-Homodimere zu bilden, die in einem nicht-kovalenten Komplex assoziiert bleiben. Der AMH-Typ II-Rezeptor (AMH RII) hat die Fähigkeit, nur die biologisch aktive Form von AMH zu binden.

Bei Männern wird AMH durch die Sertoli-Zellen der Hoden sezerniert. Während der Embryonalentwicklung bei Männern ist die Sekretion von AMH durch die Sertoli-Zellen der Hoden für die Regression des Müller- Ganges und die normale Entwicklung des männlichen Reproduktionstraktes verantwortlich. Die Sekretion von AMH durch die Sertoli-Zellen beginnt während der Embryogenese und setzt sich im Laufe des Lebens kontinuierlich fort. AMH wird von den Hoden fortlaufend bis zur Pubertät produziert; danach verringert sich der Wert langsam bis zum Post- Pubertäts-Level.

Bei Frauen spielt AMH im Zusammenhang mit der ovariellen Follikulogenese eine wichtige Rolle. Die Follikel-Entwicklung in den Ovarien besteht aus zwei unterschiedlichen Stadien: der initialen Rekrutierung, durch welche die Primordialfollikel heranzureifen beginnen, und der zyklischen Rekrutierung, die zum Wachstum einer Gruppe von kleinen Antralfollikeln führt, unter denen anschließend das dominante (zum Ovulieren vorgesehene) Follikel selektiert wird. Die zyklische Rekrutierung wird durch FSH bestimmt. Die AMH-Expression in Granulosazellen beginnt in den Primärfollikeln und ist am größten in den Granulosazellen der Präantral- und kleinen Antralfollikel bis zu einem Durchmesser von ca. 6 mm. Wenn das Follikelwachstum FSH-abhängig wird, nimmt die AMH- Expression ab und ist nicht mehr nachweisbar. Diese Eigenschaft der AMH- Expression unterstützt die inhibitorische Rolle von AMH in zwei unterschiedlichen Stadien der Follikulogenese. Erstens hemmt AMH den Übergang der Follikel vom Primordial‐ ins Reifungsstadium und übernimmt somit eine bedeutende Rolle bei der Regulation der Follikelanzahl, die im Primordialpool bleibt. Zweitens wirkt AMH inhibitorisch auf die Follikelsensitivität gegenüber FSH und beeinflusst somit den Prozess der follikulären Selektion.

Bei Frauen sind die AMH-Serumkonzentrationen zum Zeitpunkt der Geburt kaum nachweisbar, erreichen ihre höchsten Werte nach der Pubertät, nehmen dann mit dem Alter schrittweise ab und sind in der Menopause nicht mehr nachweisbar. Es ist nachgewiesen, dass AMH- Serumkonzentrationen während des Menstruationszyklus relativ stabil sind; bei jüngeren Frauen wurden jedoch signifikante Schwankungen beobachtet. AMH-Konzentrationen zeigen außerdem geringere intraund interzyklische Schwankungen als der FSH-Ausgangswert. AMH- Serumkonzentrationen nehmen während der Anwendung von kombinierten Kontrazeptiva signifikant ab. Der klinische Einsatz von AMH-Messungen ist für eine Reihe von Indikationen vorgeschlagen worden. Die Messung von Serum-AMH wird im klinischen Bereich hauptsächlich zur Beurteilung der ovariellen Reserve eingesetzt, wodurch die Anzahl der Antral- und Präantralfollikel bestimmt wird, die sogenannte Antralfollikelzählung (antral follicle count, AFC), und zur Vorhersage der Antwort auf kontrollierte ovarielle Stimulation. Weitere klinische Anwendungen von AMH sind die Diagnose von Störungen der Sexualentwicklung (disorders of sex development, DSD) bei Kindern und die Überwachung von Granulosazell-Tumoren, um eine verbliebene oder wiederauftretende Krankheit nachzuweisen. AMH wurde als Ersatz-Biomarker für AFC bei der Diagnose des polyzystischen Ovarialsyndroms (polycystic ovary syndrome, PCOS) und zur Vorhersage des Zeitpunktes der Menopause empfohlen.

Laborwerte rechner. Einheitenumrechner SI-konventionell / konventionell-SI.
Umrechnung Anti‐Müller-Hormon (AMH) von / in pmol/L, ng/mL, ng/dL, ng/100mL, ng%, ng/L, pg/mL . Faktoren zur umrechnung von konventionellen Einheiten in SI-Einheiten. Anti‐Müller-Hormon (AMH) umrechnungstabellen.